Love A

Love A Interview und Bandportrait zusammen mit dem Autor Dirk Bernemann

Musik

Ich war mal wieder mit dem Autor Dirk Bernemann unterwegs. Diesmal trieb es uns in den Festsaal Kreuzberg, wo am Abend Love A spielen sollte – im Gepäck ihre gerade erschienene Platte „Nichts ist Neu“ und jede Menge Lust zu spielen. Na bestens! Wir hatten die Gelegenheit ein Interview mit der Band zu führen und den Abend dann auch fotografisch zu begleiten. Und klar, das haben wir dann auch gerne getan!

Der folgende Text nun also von Dirk Bernemann, die Bilder, wie zu erwarten, von mir:

 

Das ist Punk, Chérie!

– Ein Abend in absurder Aufdringlichkeit –

Eskalation und Enthusiasmus. Die melancholische Revolution. Angepisstheit und die Darstellung eines verzweifelten Individuums mit zerfleddertem Blutbeschleunigungsmuskel, all das ist LOVE A. Es rumpelt und poltert und flirrt und es ragen Füße aus der Menge,wo eigentlich Köpfe sein sollten. Schweiß wird abgesondert. LOVE A live ist wie eine zerbrechliche Maschine, die alles komplett kaputtpanzert, während sie zärtlich vom Trauma der Existenz trällert.

Love A

Im Gespräch zuvor redeten wir im Biergarten des Festsaals Kreuzberg bei Apfelschorle (wir) und Astra (LOVE A) über die Musik und natürlich über die Texte. Über die Entstehung und über die Weiterentwicklung. Über die Zusammenarbeit und über gute und schlechte Momente. Laut Selbstbeschreibung von Stefan, Jörkk und Karl ist die Band aus der gutgemeinten Launigkeit „mal was zusammen zu machen“ entstanden. Und dann sind Dinge passiert, viele Ideen auf einen Haufen geworfen worden und der größte gemeinsame Nenner war dann die Geburt dieser Band, so Drummer Karl.

Love A

„Alles was zwischen 2011 und 2017 mit LOVE A passiert ist, ist absurd schön“, meint Sänger Jörkk auf die Frage, wie man die Entwicklung der Band beschreiben könne. Es gäbe auch keinen Plan und erst recht keine Vision, so sind sich auch Gitarrist Stefan und Karl einig, man habe sich einfach irgendwann in einen Proberaum gestellt, der eine hätte eher Hard- und Grindcore zuvor gemacht, der andere Stonerrock und dann habe man unter den neuen Verhältnismäßigkeiten ein paar Ideen zusammengefügt. „Und wenn die Arbeit an etwas, was eine Strophe oder ein Refrain werden könnte mehr als 30 Minuten beansprucht, dann schmeißen wir es einfach weg“, so beschreibt Stefan sehr kurz den Prozess des Songwritings.

Love A

Angesprochen auf die Texte von LOVE A und wie diese wohl entstehen, meint Jörkk, dass zumeist erst immer die Musik fertig sei und er sich dann den fertigen Soundgebilden mit Textbrocken nähert. Aber manches würde halt falsch verstanden, so meint er, weil es Leute gibt, die Songs in Richtungen interpretieren, die er als Grundidee nie berücksichtigt habe. „Wir machen jetzt auch lieber zeitlose Kunst als Parolenpunk oder Plastikpop“, meint der Sänger noch auf Frage, ob man mal darüber nachgedacht hätte, eindeutiger zu werden.

Love A

Man will auch durch die Texte keine einfachen Lösungen anbieten, so sind sich alle einig, sondern es soll klar werden, wo man sich als Mensch positioniert hat im Alltagsschlamm der Umgebung, ohne sich aber von übergeordneten Grundideen vereinnahmen zu lassen.

Love A

Love A

Ich sah LOVE A erstmals im Vorprogramm von TURBOSTAAT, 2011 in Essen. Und ich weiß noch, wie mich das fasziniert hat, diese Präzision, dieses ohne verzerrte Gitarre Druck machen, diese Wut und Aversion, die ich verstehen konnte, die auch meine Wut und Aversion war. Es war erfrischend, wie Hagel im Hochsommer, irgendwie neu und irgendwas zwischen bedrückend und beeindruckend. Es folgten die Alben „Eigentlich“, „Irgendwie“, „Jagd und Hund“ und seit dem 12.05. gibt es die neue Platte „Nichts ist neu“. Darüber will ich auch noch gar nichts sagen, weil ich mich immer frage, wie machen das die ganzen Rezensenten? Wie oft muss man eigentlich eine Platte hören, bevor man sie wirklich beurteilen kann und darf? Ich bin auf jeden Fall nicht enttäuscht, sondern in einer Art euphorisiert, die ich habe, wenn etwas Qualität verspricht und auch einhält, aber man nichts eindeutig formulieren möchte, weil die Musik einen erstmal überfällt. Da ist was passiert auf der neuen Platte, ich bin betroffen, verletzt, emotional derangiert. Passiert halt, wenn man auf intensive Musik trifft. Eine Musik, die den Zweifel der Parole vorzieht und sich trotzdem trickreich überall da positioniert, wo zuvor noch keiner war. Wo vielleicht auch einfach sonst keiner hin will.

Love A

 

Love A

Live verspritzt die Band literweise Charme aus dem Wasserwerfer der Liebe in ihr Auditorium. Alle freuen sich, alle sind ein großes Knäuel tanzender Wolllust, während die Textzeilen „Kopf aus, Musik an, leg deine Hände in den Schoß, oder aufstehen und dann tanzen, bis die Füße bluten“ in den sehr gut gefüllten Festsaal Kreuzberg fluten. Der Zugabenteil endet mit „Windmühlen“, viel Schweiß, Demut und schier unendlicher gegenseitig angefeuerter Euphorie zwischen Band und Publikum. Halt Love, ey

Love A

Love A

Beim anschließenden Backstagegelage war irgendwann das Bier alle, obwohl es sich um Warsteiner handelte und man smalltalkte sich halbbesoffen durch die Nacht. Ein Abend mit LOVE A ist ein Abend in absurder Aufdringlichkeit.

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